Das Neue Lusthaus zu Stuttgart – digital wieder aufgebaut

Von der erhaltenen Ruine zur digitalen Rekonstruktion: Das Neue Lusthaus bleibt ein Schwerpunkt der Vereinsarbeit.

Digitale Rekonstruktion des Neuen Lusthauses mit Freitreppe, Arkaden und Ecktürmen
Abbildung aus dem vom Verein bereitgestellten Lusthaus-Dokument

Broschüre in Vorbereitung

Eine Ansammlung verwitterter Sandsteinquader im Stuttgarter Schlossgarten sind die Zeugen vergangener Pracht. Das Neue Lusthaus, erbaut vom Hofbaumeister Georg Beer im Auftrag von Herzog Ludwig von Württemberg galt einst als „eine der edelsten Schöpfungen deutscher Renaissance“. Die Ruine wird von den Hunderten von Passanten, die den Schlossgarten täglich besuchen, wenig beachtet. Es ist Professor Roland Ostertag zu verdanken, der die Initiative ergriff und das Land Baden-Württemberg nötigte, das bauliche Fragment zu erhalten und nicht „in Würde sterben zu lassen“.

Film zur digitalen Rekonstruktion

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Professor Roland Ostertag verfasste eine Dokumentation über den Zustand der Ruine, die vom Verein zur Förderung und Erhaltung historischer Bauten herausgegeben wurde. Mit der Broschüre konnten die verantwortlichen Landesbehörden überzeugt werden, die Ruine nicht „abzuräumen. Die Bedeutung jener Ruine war über Jahrzehnte weitestgehend in Vergessenheit geraten. Heute erinnert sich kaum mehr jemand daran, dass es sich bei dem Arkadengang samt der vorgelagerten Freitreppe um die Reste des Neuen Lusthauses handelt. Der Prachtbau der Renaissance wurde nur kurze Zeit für das höfische Leben genutzt. Nach dem Ende des großen Krieges, der 1618 ausbrach und 30 Jahre dauern sollte, waren die deutschen Landstriche verwüstet. So auch das Neue Lusthaus. Die Herrscher über Württemberg haben das Gebäude wieder hergerichtet und den jeweiligen Nutzungen angepasst. Die Eingriffe wurden dem ehemaligen Prachtbau nicht gerecht. Die eigentliche Geometrie wurde zwar erhalten, aber im Laufe der Jahrhunderte bis zur Unkenntlichkeit verändert. 1844 wurde der bestehende Bau bis auf seine Grundmauern abgebrochen und darauf aufbauend ein neues Theater errichtet. Der Stuttgarter Architekt Carl Friedrich Beisbarth konnte den Abbruch nicht mehr verhindern. Um wenigstens eine Dokumentation jener Fragmente zu erreichen, hielt er das Vorgefundene in Form von Zeichnungen fest. Während des rasch fortschreitenden Rückbaus des Lusthauses wird auf dessen Grundmauern der neue Theaterbau errichtet. Dabei wird jedoch das bauliche Fragment der Treppe und ein Teil der Arkaden in das neue Bauwerk integriert. In der Nacht vom 19. auf den 20. Januar 1902 kommt es zu einem tragischen Unglück, bei dem das Theater abbrennt. Beim Abbruch der Brandruine kommt das Renaissance Fragment zum Vorschein. Es ist das Verdienst der Herzogin Wera, dass die Überreste des Neuen Lusthauses nicht als Baumaterial anderweitig verwendet wurden, sondern als Ruine in den Mittleren Schloßgarten versetzt werden. Die Dokumentation von Architekt Beißbart ist erhalten geblieben und konnte von Nikolai Ziegler in seiner Dissertation aufgearbeitet werden. Nikolai Ziegler hat seine Dissertation in einem umfangreichen Fachbuch publiziert. „Zwischen Form und Konstruktion, Das Neue Lusthaus zu Stuttgart“ ist 2016 im Jan Thorbecke Verlag erschienen.

Es ist unwahrscheinlich, dass das Neue Lusthaus in seiner alten Pracht wieder errichtet wird. Daher hat der Verein zur Förderung und Erhaltung historischer Bauten beschlossen, für die Nachwelt ein digitales Denkmal zu errichten. Das Neue Lusthaus ist mit moderner Technik „auferstanden aus Ruinen“.

Digitale Rekonstruktion des Erdgeschosses im Lusthaus mit Wasserbecken
Digitale Rekonstruktion des Erdgeschosses im Lusthaus mit WasserbeckenAbbildung aus dem vom Verein bereitgestellten Lusthaus-Dokument

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Zur Broschüre über die Lusthausruine von 2009